alfabet - Making IT Manageable

Artikel - IT-Landschaft kommt auf den Prüfstand

Durch die Einführung eines Enterprise Architecture Management (EAM) ist VR Leasing die Fülle technischer Komponenten im Konzern klar geworden. Daraus resultiert der Wunsch nach Konsolidierung.

28. Januar 2008

Quelle: alfabet

„Dass wir so viele unterschiedliche technische Komponenten im Haus haben, war uns nicht bewusst“, staunt VR-Leasing-Projektmanager Helmut Wißmann, nachdem sein Team die Datenbasis für das EAM erhoben hatte. Die Konsequenzen daraus zog das Unternehmen schnell: „Wir brauchen weniger Betriebssysteme und weniger Hardwareplattformen“, stellt Wißmann klar.

Die Zeichen für die IT des Finanzdienstleisters stehen daher nun auf Konsolidierung und damit Reduktion von Komplexität. Mit dem eingesetzten EAM-Werkzeugkoffer Planning IT der Berliner Alfabet lässt sich eine Software in ihre Komponenten zerlegen. Dadurch werden laut Wißmann Überlappungen mit anderen Applikationen, aber auch Unterschiede dazu deutlich.

So identifiziert das EAM-Team mehrfach genutzte fachliche Funktionen, etwa in Frontends, als kapselbare Services. Sie müssen somit mittelfristig nur einmalig bereitgestellt werden. Dadurch können Applikationen auf den notwendigen fachlichen Umfang reduziert und unter Umständen sogar abgeschaltet werden. Wißmann: „Das spart Test- und Verwaltungsaufwand – und somit Geld.“

Seit dem Frühsommer 2006 beschäftigen sich die Eschborner im Rahmen eines Großprojekts unter anderem mit der Erfassung der gesamten IT-Landschaft. Im gesamten Konzern wird überprüft, wie die Prozesse künftig aussehen sollen. „Viele Abläufe erweisen sich als sinnvoll. Doch bei anderen überlegen wir, wie wir sie einfacher gestalten können“, erklärt Wißmann. Diese Prozesse ziehen sich quer durchs gesamte Unternehmen und betreffen sowohl das Kerngeschäft als auch das Backoffice.

Interessant ist dabei jeweils, wie die Prozesse durch die IT unterstützt werden – und welche Abweichungen sich dafür durch Prozessänderungen ergeben. „Wenn fachlich getriebene Änderungen an einer Software oder aber die Einführung neuer Tools notwendig werden, dann wollen wir möglichst schnell die Auswirkungen auf die betroffene IT-Landschaft sehen“, so der Projektmanager.


Word und Visio waren nicht tauglich für die Aufgabe

Anfangs hat VR Leasing versucht, dies mit Microsoft Word und Visio zu dokumentieren. Doch eine gemeinsame Datenbasis, die sich auch in Zukunft ständig nacharbeiten und pflegen lässt, war damit nicht herzustellen. Um Transparenz herzustellen, bedarf es nach Meinung von Wißmann spezieller EAM-Werkzeuge.

„Wir wollen den Durchdringungsgrad von Planning IT im Konzern in Zukunft noch deutlich ausweiten, so- dass jeder, der Einfluss auf die Architekturlandschaft hat, hier seine Informationen einpflegen kann. Wir wollen einen Single Point of Administration“, erläutert Wißmann die Pläne von VR Leasing.

Sein Traum als Enterprise Architect ist es sogar, alle Anforderungen aus den Fachbereichen hier zu bündeln. Dies erfolgt heute noch an zwei Punkten: Entweder bei den Produktverantwortlichen, die die Software kennen, oder bei den so genannten Business Relationship Managern, die die Nachfrage kanalisieren. Beide führen laut Wißmann ihre eigenen Datenbanken. „Das große Ziel ist es, diese zu vereinheitlichen.“

Der Blick auf die unternehmensweite IT-Landschaft erleichtert bei VR Leasing auch die Kontrolle darüber, ob Architekturrichtlinien eingehalten werden: Denn Projektanträge müssen, bevor sie im zentralen Lenkungsausschuss IT landen, neben einem Security- auch einen Architekturcheck durchlaufen. „Wenn ein Projekt nicht architekturkonform ist, müssen seine Vorteile schon extrem sein, damit es grünes Licht erhält“, betont Wißmann die Konsolidierungsstrategie.

Von seiner großen EAM-Vision ist die IT-Organisation allerdings noch ein Stück entfernt: Nachdem die Datenbasis erhoben und die künftige Soll-Landschaft dem Status quo gegenübergestellt wurde, erhebt sie nun für den CIO monatlich Reports über Key Performance Indicators (KPIs) wie Anzahl der Funktionen, Schnittstellen oder Komponenten.


Geschäftskritische Systeme sind dem Vorstand bekannt

„Wir haben in Abstimmung mit der Fachabteilung den Überblick, wie viele geschäftskrititsche IT-Produkte wir führen“, so Wißmann. „Und der Vorstand erfährt, wie viele Anwendungen wir haben, die dafür sorgen könnten, dass das Geschäft im Extremfall morgen nicht mehr läuft – und um welche es sich handelt.“ Welche Systeme jeweils dahinter hängen, weiß das Architekturteam ebenfalls. Derzeit werden die Hardwaresysteme einschließlich der darauf laufenden Software in Planning IT eingepflegt. Gleichzeitig erfolgt die Definition von Standards in diesem Bereich. Als nächstes sind die Schnittstellen an der Reihe – auch hier will Wißmann konsolidieren.

Für die Zukunft hat der EAM-Experte weitere Pläne hinsichtlich Planning IT: Eine Schnittstelle zu Aris wäre sinnvoll, da die Fachbereiche ihre Prozesse mit dem Tool von IDS Scheer modellieren. „Das Mapping auf die technische Landschaft wäre super. Heute haben wir an der Stelle noch einen Medienbruch: Ein Architekt bildet in Planning IT die modellierten Abläufe ab“, so Wißmann. Zudem will er in Planning IT die Lizenzen einpflegen, so dass er auch dort Transparenz hat.

Quick picks